Rosels Weg – Nachlese

Am Sonntag, dem 22. März 2026, um 15:00 Uhr fanden sich über 200 Menschen am Ober-Röder Marktplatz ein, um gemeinsam „Rosels Weg“ zu gehen – den letzten Weg, den die damals 11-jährige Rosel Hecht im Herbst 1937 an der Hand ihrer Mutter in Ober-Roden zurückgelegt hat.

Es war der Weg von Rosels Elternhaus in der Frankfurter Straße 17 zum Bahnhof. Rosel wurde in ein jüdisches Kinderheim nach Frankfurt gebracht, weil sie dort noch ein paar Jahre zur Schule gehen konnte, bevor sie 1941 – gerade 16 geworden – zusammen mit ihrer Mutter Berta nach Minsk transportiert wurde. Danach verliert sich ihre Spur.

Bei strahlendem Sonnenschein waren die Teilnehmenden dem Aufruf der Initiative Stolpersteine in Rödermark und den Rödermarkfreunden gefolgt, die Rosels letzten Weg an fünf Stationen mit Szenen aus dem Dorfleben der 1930er Jahre illustriert haben.

Die teils lustigen, teils skurrilen Szenen führten immer wieder zurück auf das Bild von Mutter und Tochter, die mit einem Koffer in der Hand langsam aus dem Dorfbild verschwanden. Spätestens am Bahnhof bei der Abschlussperformance mit Schüler:innen der Nell-Breuning-Schule wurde den meisten Beteiligten klar, dass man gerade ein ganz normales Mädchen aus Ober-Roden in den Tod begleitet hat.

Unter Beteiligung von Vertreter:innen der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft (EVZ) aus Berlin, dem Projekt Jüdisches Leben in Frankfurt, der Holger-Koppe-Stiftung und jeder Menge lokaler Politprominenz wurde als Abschluss ein Gedenkzeichen enthüllt, das mit der Aktion MemoRails an 13 Orten in Deutschland auf die Beteiligung der Deutschen Bahn an NS-Verbrechen hinweist.

Ein Sonntagsspaziergang, der bewegt hat und lange in Erinnerung bleiben wird.

Zum Projekt gehört auch die Entstehung von „Rosels Tagebuch“ – fiktive Einträge basierend auf historischen Recherchen.